- Dies Academicus 2010
- Editionen in Basel, 11.09. – 27.11.2010
- Kuba und die klassische Antike, 17.9 - 14.11.2010
- Festkonzert 2010, 18.10.2010
- Jubiläumsball 2010, 16.10.2010
- Tagung: Philosophie in Basel, 24.09.2010
- Fest der Wissenschaften, 17.09. - 19.09.2010
- Die Universität Basel zu Gast in Aarau, 28.08.2010
- Wissenskongress, 25.05. - 29.05.2010
- Die Universität Basel zu Gast in Solothurn, 29.05.2010
- Die Universität Basel zu Gast in Porrentruy, 08.05.2010
- Stadtführung zum Jubiläum der Universität Basel - Frauenstadtrundgang, 25.04.2010
- Ausstellungseröffnung: Schatzkammern der Universität, 25.04.2010
- Ausstellungseröffnung: Sammeln, sichten, sichtbar machen, 23.04.2010
- Markt des Wissens und Eröffnung in Liestal, 17./18.04.2010
ZUKUNFT BRAUCHT HERKUNFT
Rahel Walser
Im Basler Münster – dem Ort, wo vor 550 Jahren die Universität Basel gegründet wurde – lud Rektor Antonio Loprieno dieses Jahr zum Dies Academicus, welcher traditionsgemäss am letzten Freitag im November stattfindet. Ein Festakt, bei welchem die langen Geschichte der Institution gefeiert und dennoch der Blick in die Zukunft nicht gescheut wurde.
Langgezogene Geigenklänge schwirrten durch die Luft des Basler Münsters, dumpfe Orgelklänge kamen hinzu und begleiteten das Surren der Saiten, welches langsam in den Winkeln des Gebäudes verschwand und von tiefen Trompetentönen abgelöst wurde, die wiederum durch die Lüfte schwebten bis sie an den Wänden aus Sandstein abzuprallen schienen – während Universitätsrat, Rektorat, auswärtige Gäste, Regenzausschuss sowie Professorinnen und Professoren der Universität Basel in das voll besetzte Basler Münster einzogen, blickten nicht wenige der nahezu 1'300 anwesenden Gäste erstaunt in die Höhe. Ein dichter Klangteppich, kreiert von im Gebäude verteilt stehenden Musikern, welche die lange Nachhallzeit der ehemaligen Bischofskirche gekonnt auszunutzen wussten, schwebte in der Luft. Eine Symbiose aus Klang, Zeit und Raum, eigens geschaffen vom Komponisten Georg Friedrich Haas für den diesjährigen Dies Academicus der Universität Basel.
«… damit … die Geister der Menschen erhellt und ihr Verstand erleuchtet werden», so der Titel des neuartigen Musikstücks, welcher die Gründungsbulle der Universität Basel zitiert.
Erkenntnis und Wissen prägten nicht nur das musikalische Programm, sondern auch die inhaltlichen Beiträge des Festtages. So thematisierte Rektor Antonio Loprieno in seiner Rede die Bedeutung der Wissensvermittlung durch die Universität und betonte deren Verantwortung. «Je höher das Alter, desto grösser die Verantwortung. Dies gilt auch für unsere Universität», so Loprieno mit Blick auf das 550-Jahre-Jubiläum der Institution.

- Rektor der Universität Basel Antonio Loprieno
Auch Emil Angehrn stellte in seiner anschliessenden Rede die Wissenschaft ins Zentrum. Der Ordinarius der Philosophischen Fakultät unternahm eine Besinnung auf die Grundidee der Wissenschaft und fragte nach deren Ziel, Aufgaben und Grenzen in der modernen Welt. Das Streben nach Erkenntnis um ihrer selbst willen sei ein natürliches Bedürfnis des Menschen, so Angehrn. „Es bildet eine kulturelle Leitidee, welche die europäische Wissenschaft, ungeachtet ihrer technischen Anwendung und ökonomischen Verwertung, auch im modernen Forschungsbetrieb prägt.“ Die Aufgabe der Wissenschaft sei jedoch nicht nur die blosse Vermehrung von Kenntnissen und die Durchdringung ihres Gegenstandes, sondern ebenso die reflexive Verständigung über die eigene Fragestellung und die Bedeutung ihrer Erkenntnisse.

- Prof. Dr. Emil Angehrn
Dass dies an der Universität Basel erfolgreich geleistet wird, zeigte die anschliessende Verleihung der Ehrenpromotionen und akademischen Preise. Unter grossem Applaus wurden sieben Ehrendoktorate sowie weitere Auszeichnungen, etwa der Amerbach-Preis, vergeben. Für wohlwollendes Schmunzeln sorgte Rektor Loprieno, welcher ob der ab und zu komplizierten und langen englischsprachigen, zungenbrecherischen Titel der preisgekrönten Doktorarbeiten ins Schwitzen kam.
Auf den traditionell gehaltenen akademischen Teil der Feier folgten Grussadressen der Regierungsräte Christoph Eymann und Urs Wüthrich-Pelloli im Namen der Trägerkantone sowie vom Staatssekretär für Bildung und Forschung Mauro Dell’Ambrogio, der die Glückwünsche des Bundes überbrachte.

- Regierungsrat Christoph Eymann

- Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli

- Staatssekretär für Bildung und Forschung Mauro Dell’Ambrogio
Fester Bestandteil des Dies academicus ist das im Anschluss an die Feier servierte Festbankett, zu dem dieses Jahr rund 700 Gäste erwartet wurden, weshalb es im Grossen Saal der Messe Basel stattfand. Mit Shuttle-Bussen der BVB ging es über den Rhein. So mancher Gast gab beim Einsteigen in die Busse einen wohligen Seufzer von sich – nach den kalten Temperaturen im Münster war die Wärme in den Fahrzeugen eine Wohltat.

- Shuttle Busse der BVB
Eine Wohltat war auch das Essen – an weiss gedeckten und mit Blumen geschmückten Tischen wurden Köstlichkeiten serviert und verspeist. Ein Schmaus für Gaumen und Ohren zugleich, denn das Festessen wurde begleitet von den obligaten Tischreden des Rektors und des Zunftmeisters sowie einer Rede des Universitätsratspräsidenten Ueli Vischer.

- Universitätsratspräsident Ueli Vischer
Alle drei unterhielten die Festgemeinde mit sowohl rhetorisch als auch inhaltlich brillant ausgefeilten Reden und sorgten für viele Lacher. So vergnügte Vischer mit Ausführungen zum meist überhöhten Selbstbewusstsein der einzelnen Fakultäten, welche allesamt für sich beanspruchten, die wichtigste und die beste zu sein. Loprieno hingegen musste, bevor er mit der eigentlichen Rede beginnen konnte, einen verbalen Parcours meistern. «Sie können sich kaum vorstellen, wie mühsam die Vorbereitung dieser Rede war», bekannte er schmunzelnd, nachdem er knapp fünf Minuten lang sämtliche Namen der speziell zu begrüssenden hochrangigen Gäste fehlerfrei und in politisch korrekter Reihenfolge abgelesen hatte.

- Rektor Antonio Loprieno
Die lockere und leicht ironische Art, mit welcher Loprieno der Erfüllung einer formellen Pflicht nachkam, verdeutlichte, was auch die Veranstaltung als Ganzes prägte: Das fruchtbare Nebeneinander von alter Tradition und zeitgemässem Wandel. «Zukunft braucht Herkunft», hatte Eymann in seiner Rede treffend formuliert und damit den fortlaufenden Entwicklungsprozess der für die Region existentiellen Universität auf den Punkt gebracht.

- Der Zunftmeister Martin Hug
Und so wurde am traditionsreichen Festtag zugleich die historische Verankerung der Institution betont, deren Werdegangs gewürdigt sowie aktuelle Bedürfnisse artikuliert. Denn in einem Punkt waren sich alle Redner einig: Die Universität geniesst zwar einen grossen Rückhalt bei der Bevölkerung und ist durch die gemeinsame Trägerschaft der beiden Kantone Basel-Stadt und Basel-Land gut aufgegleist, doch, so Eymann, bezüglich des finanziellen Engagements gäbe es «noch viel Luft nach oben.»



